Sicherheitscheck

VERHALTENSHINWEISE UND VORSCHLÄGE FÜR EIN SICHERES KITESURFEN MITEINANDER

Hier bieten wir einige Ideen, Gedanken und Anregungen an, um sicher, verantwortungsvoll, selbstbewußt und gesund ins Kitesurfen einzusteigen und genau so dabei zu bleiben. Bitte diskutiert, erweitert, berichtigt und kommentiert unsere Liste. Jede Optimierung kommt uns allen zugute. Wir freuen uns über Ergänzungen im Forum oder per Email.
 


Bitte bedenken, bevor es an den Start und aufs Wasser geht:

• Neues Revier? – Die Locals ansprechen, nach örtlichen Begebenheiten, Wettereinschätzung und Regelungen fragen.

• Nicht bei ablandigem Wind kiten.

• Abstand halten zu Verhängerquellen (Schilder, Bäume, Gebüsch, Objekte, Personen,…)

• Unterschätze nicht die Unterschiede zwischen Binnenlandbedingungen und Kitesurfen auf dem Meer. Das gilt in beide Richtungen, also auch Vorsicht, wenn Du von der Küste kommst und mal z.B. Stauseen befahren willst.

• Großräumiges Revier wählen, Landzeit kurz halten. Viele Vorfälle passieren mit Kite in der Luft an Land oder im Uferbereich.

• Revier nach Lee kontrollieren, gibt es Anlandemöglichkeiten?

• Alleine Kitesurfen birgt Risiken, gemeinsam Kitesurfen macht Spaß und wir achten aufeinander.


Checktipps zu Deiner Ausrüstung

• Mehrere Kitegrößen zur Auswahl mitbringen, so kann sicherheitshalber der jeweils eher zu kleine Kite gewählt werden und Du mußt nicht aus Mangel an Größen zu dem einen Kite greifen, der dann eventuell zu groß für die vorherrschende Windstärke ist.

• Deine Kitegröße entsprechend Deines Könnens auswählen. Sicherheitshalber fragen, welche Größe sinnvoll ist und dazu Dein Können angeben und ggf. nicht starten, falls Du keinen passenden Kite hast.

• Kite fest aufpumpen, ggf. andere Kitesurfer nach Druckprüfung fragen. Ein schlaffer Kite ist schwer zu kontrollieren und hat oft miese Flugeigenschaften.

• Hochsommertemperaturen – Überhitzung im Neo und Windchill/Unterkühlung auf See (Boardshorts) bedenken.

• Kitesurfen im Winter – Neoprenstärke den Temperaturen anpassen, ggf. Fleece im Trockenanzug anziehen.

• Quickrelease überprüfen. Ab und zu Probeauslösungen an Land durchführen, um Gangbarkeit vom Quickrelease sicherzustellen, das funktioniert danach auch auf dem Wasser. Bei Nichtbenutzung kann das Quickrelease schwergängig werden oder sich festsetzen.

Safety überprüfen. Auslösung im stehtiefen Wasser mit Platz nach Lee überprüfen und Wiederstarten üben.

• Leinenlänge checken. Backlines verkürzen sich mit der Zeit, Frontlines recken sich. Beides bedeutet mehr Power, aber weniger Depower. Backlines können mechanisch gereckt oder angepaßt werden (Vorlaufleinen verlängern, Pigtails umstellen).

• Safetyleash überprüfen. Ein Safety-Karabiner birgt die Gefahr, Leinen zu fressen oder sich im Loop festzubeißen. Eher Vichard oder Stagreiterkarabiner verwenden oder den klassischen Karabiner mit Neoschlauch abdecken.

• Safetyleash vorne am Trapez befestigen, um sie ohne Probleme schnell erreichen zu können.

• Bewegungsabläufe üben: Quickrelease greifen, Safetyleash-Trennung finden. Wenn das zum Automatismus führt, muß im Notfall nicht gesucht werden.

• Leinencutter mitführen und wissen, wo der steckt.

• Boardschlaufen einstellen vor dem Kitestarten.


Kite starten

• Vor dem Start Leinen checken und kämmen und die Frontlines bzw. Safetyline ausdrehen. Bridles, Pulleys und die Waage prüfen, daß es dort keine Verhänger gibt.

• Front- und Backlines richtig anknüpfen. Laufen die Backlines tatsächlich seitenrichtig zu den richtigen Tips?

• Adjuster/Trimmer dem Wind entsprechend verwenden, ggf. etwas verkürzen.

• Board griffbereit plazieren, sinnvoll ist es am Wassersaum, dann muß nicht unnötig auf dem Startplatz herumgesucht werden.

• Sei beim Start auslösebereit. Das Auslösen verinnerlichen und auch gelegentlich testen (s.o.). Beide Hände an der Bar, Quickrelease im Sinn/Blick haben.

• Kite weg von Hindernissen starten. Bei Verhängern oder Manövrierunfähigkeit zieht der Kite in den Gefahrenbereich. Den Kite zum Wasser hin starten ist oft besser als Richtung Land (gleichmäßiger Wind vs. Verwirbelungen).

• Ein optimales Starten geht in Stehrevieren mit Sideshore-Windbedingungen gut, indem der Kiter ins Wasser geht, der Starthelfer am Strand den Kite hält. Der Kite wird gestartet und sogleich kontrolliert durch den Zenit in Richtung See gelenkt.

• Bedenke die Größe beim Starten – große Kites sind schwerfällig und träge, kleine Größen schneller und somit schneller mal zu verreißen.

• Deinen Kite beim Starten langsam, bewußt und kontrolliert hochlenken, dann spürst Du schon bald, ob alles in Ordnung ist, ob Du die Kontrolle hast und alles paßt. Bei Unstimmigkeiten den Kite wieder zurück zum Starthelfer lenken.

• Kite zieht Dich und Du hast keinen Halt (nasse Wiese, schlammiger Untergrund), dann frage um Hilfe, damit Dich jemand festhält und Dir hilft.

• Die helfende Person muß Dich festhalten und darf nicht loslassen, falls Du ausgehebelt wirst. Losgelassenwerden unter Zug verstärkt die Abflugkräfte katapultartig und erhöht somit Dein Verletzungsrisiko.

• Als Starthelfer darfst Du den Kite erst loslassen, wenn der Kiter an der Bar mit dem Daumen nach oben zeigt. Das heißt Ok für Start.

• Kennst Du den Starthelfer? Kann er Dir tatsächlich beim Starten helfen? Falls Zweifel aufkommen, sofort Signal geben, Kite abzulegen und dabei auslösebereit sein.

• Den Daumen erst dann heben, wenn Dein Kite stabil wirkt und offensichtlich startklar am Windfensterrand steht.

• Alleine starten? Selber starten und Wasserstart muß gekonnt sein und geübt werden. Laß es Dir zeigen und beibringen in einem Revier mit viel Platz nach Lee und sei dabei immer auslösebereit. Eine vertraute Person im Wasser in der Nähe vom Kite kann ggf. eingreifen.


Dein Verhalten an Land

• Nicht unnötig lange mit Kite in der Luft herumstehen, am Ufer besteht oft Verwirbelung und der Kite ist nicht optimal angeströmt. Stall-Gefahr oder überhaupt Gefahr, daß der Kite abschmiert.

• Start- und Stehbereiche nicht blockieren durch Zenitparken und herumstehen. Freunde gewinnst Du, wenn Du Dich rücksichtsvoll verhälst und die Fläche räumst oder Kite tief lenkst.

• Windschatten und Verwirbelungen hinter Bebauung, Dünen, Bäumen, etc. beachten. Ein Lee kann zu unkontrollierbarem Verhalten des Kites führen, kann aber auch dazu verwendet werden, um Deinen Kite darin sicher abzulegen.

• Kite immer an der Bar spüren, damit bei Turbulenz sofort reagiert werden kann. Front- oder Backstall an Land können bei Wiederöffnen und schlagartiger Leinenspannung zu unkontrollierbarem Leistungsaufbau führen. Dein Abgang folgt.

• Beim Board ablegen beide Hände an der Bar nahe des Depowertampens, also Bar mittig greifen, bedeutet geringere Gefahr, den Kite zu verreißen. Zum Landen wieder beide Hände an die Bar und  symmetrisch weiter außen greifen.

• Den Kite mit Landehelfer sicher zu Boden bringen.

• Kite am Boden sichern, Tube nach Luv , dann beschweren mit Sand, Board, etc.

• Leinen aufwickeln.

• Kite wegräumen, an dem Startplatzrand legen, zur Seite tragen, Platz schaffen für die anderen Kitesurfer.


Dein Verhalten im Wasser

• Vorfahrtsregeln beachten.

• Sicherheitsabstand zum Ufer, zu Hindernissen und zu Menschen einhalten.

• Naturschutz und Vogelschutz berücksichtigen.

• Turbulenter Wind an Land und am Ufer erschwert oder verhindert kontrollierten Start aufs Board. Da hilft es ggf. den Kite Richtung Wasser zu lenken und sich draggen zu lassen, bis Wind gleichmäßiger wird.

• Startfläche und Einstieg zügig freimachen und Startbereich im Wasser freihalten.

• Boardleash? Nur mit ausreichend Länge und Sollbruchstelle verwenden, sonst Gefahr von Spannungsaufbau zwischen Dir und Board und explosionsartigem Boardbeschuß, wenn Leash unter Spannung steht und Board aus dem Wasser flippt. Rollleash kann Abhilfe schaffen. Lieber nach Luv draggen lernen.

• Auf Wind und Wetter achten. Himmel und Wolken im Blick behalten, Fronten kommen oft schnell und unerwartet. An der See oft frühzeitig sichtbar, im Binnen- und Bergland sind sie oft sehr überaschend da.

• Beim Wetterwechsel auf andere Kitesurfer achten – wieso bin ich plötzlich alleine auf dem See?!?

• Blick nach Luv und upwind – dort kommen Wind und Wetter her und manchmal auch ein außer Kontrolle geratener Kitesurfer oder ein Kite ganz allein…

• Sturmfront rückt an, Du bist noch zu See – Wenn möglich, Kite tief und weit nach Luv fliegen, Kante halten und versuchen, die Schauerböen auszusitzen. Langsame Fahrt bedeutet oft bessere Kontrolle als im Wasser zu sitzen/stehen und Kite im Zenit zu parken. Abstand zu Ufer und Hindernissen einhalten, auslösebereit sein.

• Wind läßt nach, da hilft manchmal Bodydragging besser als Boardversuch. Board kann als Kantenführung schwimmend unter Dir verwendet werden.

• Wind schläft ein, Kite fällt vom Himmel, keine Chance auf Wiederstarten. Leinen aufwickeln, Leinenverhänger (Beine, Trapez, Körper,… s.u.) unbedingt vermeiden, mit Kite zum Ufer schwimmen.

• Foilboarder bitte rücksichtsvoll ins tiefe Wasser gehen, dabei Schirm tief fliegen und andere Kitesurfer nicht behindern oder das Revier blockieren.

• Foilboards bitte nicht im Kitesurfrevier "parken" um Schirm zu wechseln oder zu landen. Das Board im Wasser ist eine Gefahr für andere Kitesurfer und oft einfach nur störend im Weg!


Kite auslösen

• Auslösen üben.

• Beim Wiederstarten darauf achten, dass die Safety-Leine sich nicht verselbständigt hat und Dir um die Beine driftet. Ist erstmal wieder Zug im Schirm, hast Du keine Chance, Dich zu entwirren.

• Dein ausgelöster Kite kann nicht mehr gestartet werden – im Safetymodus die Leinen aufwickeln und sicherstellen, daß der Kite auf keinen Fall Zug entwickelt, während Du wickelst.

• Mit leichter Leinenspannung dem Kite beim Aufwickeln hinterherdriften, dann besteht keine Gefahr zum Verhänger.

Ohne Leinenspannung aufwickeln bedeutet Gefahr zum Verhängen von Beinen und Trapez mit Leinen unter Wasser. Du wirst die Beine nicht mehr frei bekommen.

• Schwimmen mit Kite ist umständlich. Versuche den Kurs zu finden, auf dem Du sicher zum Ufer kommst. Das ist oft nicht der kürzeste Weg, oft auch nicht direkte Linie, aber ein kraftsparender. Kite kann ggf. als Driftfläche verwendet werden.

• Beim Kite auslösen per Quickrelease auch gleich die Safety im Sinn und im Blick haben. Falls Auslösung mißlingt (Deathloop), kannst Du Dich dann komplett trennen.

• Beobachte andere Kitesurfer und schau bei Havarien, ob Du helfen kannst, bzw. dem Havarierten signalisieren, daß Du ihn im Blick hast und auf dessen Signal dann Hilfe herbeiholst.

• Gemeinsam Kitesurfen ist sicheres Kitesurfen.

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