Wind und Einheiten

DER ANLAUF VOM WIND – NEUDEUTSCH FETCH

Wenn wir am Ufer stehen und schauen, woher der Wind kommt, wird über kurz oder lang einer von uns erwähnen, dass der Wind einen besonders guten oder kurzen oder wie auch immer gearteten fetch hat. Das ist Neudeutsch und heisst eigentlich Windlauflänge oder Wirkweg des Windes und bezeichnet die Länge der Anlaufstrecke des heranwehenden Windes über einer Wasserfläche.

Falls man Spass an Fachbegriffen hat, dann kann auch von Luvbreite, Windwirklänge, Wirklänge des Windes, Streichlänge des Windes, bestrichene Windbahn, Windweg, Seeraum und Windstreichlänge gesprochen werden. Das beeindruckt dann allemal. Und wenn es tatsächlich Neudeutsch sein soll, spricht man von reach, wave fetch, generating area, fetch length.

Für uns Kitesurfer/innen geht es ja eher um eine besonders lange Windlauflänge in Bezug auf eher gleichmässigen Wind. Aber auch die Wellen-Liebhaber/innen achten darauf. Führt die Anlaufstrecke des Windes lange Zeit über Wasser, so erzeugt der Wind bei größerer Windlauflänge entsprechend höhere und längere Wasserwellen. Die Höhe der durch den Wind erzeugten Wellen ist zusätzlich abhängig von Windstärke und Dauer des Windes.

DAS SAGEN DIE FIEDERN AUF DEN WINDKARTEN

Die Windpfeilchen auf Wetterkarten heißen Fiedern (singular: die Fieder) und zeigen Windstärke und -richtung an. Der lange Stab zeigt an, in welche Richtung der Wind weht (aus welcher Richtung er kommt) und die kurzen, abgeknickten "Fiedern" erklären die Windstärke, siehe Tabelle Fieder-Windstärkesymbole.
Auf Wetterkarten ist die Bedeutung der angegebenen Fiedern unterschiedlich. Es ist nicht einheitlich, ob der betreffende Ort an der Spitze, in der Mitte oder an den Fiedern liegt. Ursprünglich wurde für jede Windstärke nach Beaufort eine Fieder abwechselnd ans Ende des Pfeils gesetzt. Diese Darstellung ist in der Seefahrt hilfreich, da so auch Flautengebiete angezeigt werden können (auch gerne in der Fliegerei verwendet, siehe z.B. NGN Pilot Charts). Aktuell sitzen die Fiedern auf der Seite des Pfeils mit dem niedrigeren Luftdruck und haben den Bezugsort an die Spitze der langen Linie. Dabei steht jeder halbe Strich für 5kn, ein ganzer Strich für 10kn und jedes Dreieck für eine Windgeschwindigkeit von 50kn. Die Summe aller Einzelgeschwindigkeitenstriche und -dreiecke beschreibt die Windgeschwindigkeit. Das System eignet sich auch für Geschwindigkeiten weit jenseits der Beaufortskala, die angelegt ist bis Windstärke 12 entsprechend 64kn = 32,7m/s = 117km/h = 73,6mph.


 

BEAUFORT-SKALA UND BESCHREIBUNG

Windstille
1kn = 0 Beaufort = 0-0,2m/s = 1km/h = 1mph
Spiegelglatte See, keine Luftbewegung, Rauch steigt senkrecht empor.

Leiser Zug
1-3kn = 1 Beaufort = 0,3-1,5m/s = 1-5km/h = 1-3mph
Kleine Kräuselwellen ohne Schaumkämme, kaum merklich, Rauch treibt leicht ab, Windflügel, Flaggen und Windfahnen unbewegt.

Leichte Brise
4-6kn = 2 Beaufort = 1,6-3,3m/s = 6-11km/h = 4-7mph
Kleine, kurze Wellen, glasige, nicht brechende Kämme, Blätter rascheln, Wind im Gesicht spürbar.

Schwache Brise
7-10kn = 3 Beaufort = 3,4-5,4m/s = 12-19km/h = 8-12mph
Kämme beginnen sich zu brechen, Schaum glasig, vereinzelt Schaumköpfe, Blätter und dünne Zweige bewegen sich, Wimpel werden gestreckt.

Mäßige Brise
11-15kn = 4 Beaufort = 5,5-7,9m/s = 20-28km/h = 13-17mph
Kleine, längere Wellen, verbreitet Schaumköpfe, Zweige bewegen sich, loses Papier wird vom Boden gehoben.

Frische Brise
16-21kn = 5 Beaufort = 8,0-10,7m/s = 29-38km/h = 18-24mph
Lange, mäßige Wellen, überall Schaumkämme, größere Zweige und Bäume bewegen sich, Wind deutlich hörbar.

Starker Wind
22-27kn = 6 Beaufort = 10,8-13,8m/s = 39-49km/h = 25-30mph
Größere Wellen und Schaumflächen, Kämme brechen, etwas Gischt, dicke Äste bewegen sich, hörbares Pfeifen an Drahtseilen, Fallen oder in Telefonleitungen.

Steifer Wind
28-33kn = 7 Beaufort = 13,9-17,1m/s = 50-61km/h = 31-38mph
See türmt sich auf, Schaum legt sich in Windrichtung, Bäume schwanken, Widerstand beim Gehen gegen den Wind.

Stürmischer Wind
34-40kn = 8 Beaufort = 17,2-20,7m/s = 62-74km/h = 39-46mph
Mäßig hohe Wellenberge mit langen Kämmen, Gischt weht ab, Schaumstreifen, große Bäume werden bewegt, Fensterläden werden geöffnet, Zweige brechen von Bäumen, beim Gehen erhebliche Behinderung.

Sturm
41-47kn = 9 Beaufort = 20,8-24,4m/s = 75-88km/h = 47-54mph
Hohe Wellenberge, dichte Schaumstreifen, See rollt, Gischt beeinträchtigt Sicht, Äste brechen, kleinere Schäden an Häusern, Ziegel und Rauchhauben werden von Dächern gehoben, Gartenmöbel werden umgeworfen und verweht, beim Gehen erhebliche Behinderung.

Schwerer Sturm
48-55kn = 10 Beaufort = 24,5-28,4m/s = 89-102km/h = 55-63mph
Sehr hohe Wellenberge, lange überbrechende Kämme, See ist weiß durch Schaum, rollt schwer und stoßartig, Gischt beeinträchtigt Sicht, Bäume werden entwurzelt, Baumstämme brechen, Gartenmöbel werden weggeweht, größere Schäden an Häusern.

Orkanartiger Sturm
56-63kn = 11 Beaufort = 28,5-32,6m/s = 103-117km/h = 64-73mph
Extrem hohe Wellenberge, Wellenkämme werden überall zu Gischt zerblasen, Sicht herabgesetzt, heftige Böen, schwere Sturmschäden, schwere Schäden an Wäldern, Windbruch, Dächer werden abgedeckt, Autos werden aus der Spur geworfen, dicke Mauern werden beschädigt, Gehen ist unmöglich.

Orkan
64-71kn = 12 Beaufort = >32,7m/s = >118km/h = >74mph
Luft mit Schaum und Gischt angefüllt, See vollständig weiß, Sicht stark herabgesetzt, schwerste Sturmschäden und Verwüstungen.

 

Die Beaufort-Skala beschreibt die Windstärke anhand ihrer Auswirkungen. Obwohl sie nach Sir Francis Beaufort benannt ist, wurde sie von anderen entwickelt. Die Geschichte beginnt mit einem Wettertagebucheintrag des Kapitäns Sir Francis Beaufort, der die Skala zur genauen Beschreibung der Windstärke nutzte. Von Stufe 0 (windstill) bis 12 (Orkan) wurde sie in 13 Stufen eingeteilt. Beaufort begann 1806 mit seinen Aufzeichnungen der Windverhältnisse auf hoher See und führte eine 13-teilige Skala für sein Tagebuch ein. Diese Skala wurde später verbindlich und ist heute ein wichtiger Parameter in der Meteorologie. Ursprünglich basierte sie auf den sichtbaren Auswirkungen des Windes auf Schiffssegel und wurde während Beauforts Kommando auf dem Versorgungsschiff Woolwich entwickelt.

Die Skala wurde im Laufe der Zeit verfeinert und angepasst. Beaufort selbst überarbeitete sie mehrmals, und andere Meteorologen trugen ebenfalls zur Verbesserung bei. Die Skala wurde international anerkannt und ist heute ein Standardwerkzeug für die Beschreibung von Windstärken. Sie wird nicht nur in der Seefahrt, sondern auch in der Luftfahrt, bei Wettervorhersagen und in der Klimaforschung verwendet.

 

 

ABKÜRZUNGEN UND WINDRICHTUNG

N – Nord – 0°

NNO – Nordnordost – 22,5°

NO – Nordost – 45°

ONO – Ostnordost – 67,5°

O – Ost – 90°

OSO – Ostsüdost – 112,5°

SO – Südost – 135°

SSO – Südsüdost – 157,5°

S – Süd – 180°

SSW – Südsüdwest – 202,5°

SW – Südwest – 225°

WSW – Westsüdwest – 247,5°

W – West – 270°

WNW – Westnordwest – 292,5°

NW – Nordwest – 315°

NNW – Nordnordwest – 337,5°

und dann wieder N – Nord – 0°

 

 

EINHEITEN UND UMRECHNUNG

1kn = 1sm/h (exakt) = 1,852km/h (exakt) = 0,514m/s

1m/s = 3,6km/h (exakt) = 1,944kn = 2,237mph

1km/h = 0,540kn = 0,278m/s = 0,621mph

1mph = 1,609344km/h (exakt) = 0,8690kn = 0,447m/s

kn = Knoten
sm = Nautische (See)meile (engl.: NM)
mph = miles per hour

 

 

UTC, GMT UND ZEITVERSCHIEBUNG

Bitte bedenken, UTC (Coordinated Universal Time, Temps universel coordonné, UTC – [sic] merkwürdige Abkürzungsreihenfolge) ist im Winter +1h für uns und im Sommer +2h. Das ist zu berücksichtigen, wenn man sich die Frontdurchgänge auf den Wetterkarten mit UTC-Zeitangaben anguckt und sie auf seine Tagesplanung und Lokalzeit bezieht. Also Wettergeschehen auf den Karten immer jahreszeitenabhängig ein bzw. zwei Stunden nach UTC hier bei uns vor Ort einplanen. Eine alte und etwas abweichende Zeitbezeichnung ist GMT (Greenwich Mean Time).